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Allgemeine Waffenpflege für Schaukampfwaffen

Bitte beachten: Die hier beschriebenen Pflegetips sind ausschließlich für Schau- und Freikampfwaffen geeignet.

Die regelmäßige und gewissenhafte Waffenpflege sollte zum Alltag jeden Schwertfechters gehören. Rost ist der größte Feind unserer geliebten Trainingswaffen und ist nicht nur hässlich, sondern schadet auch dem Stahl. Moderne Federstähle, aus denen Schau- und Freikampfwaffen heute hergestellt werden, haben den gleichen Nachteil wie ihre historischen Vorbilder - sie rosten. Rost ist chemisch gesehen eine Oxidation, also eine Verbindung des Stahls mit Sauerstoff. Dringt Rost zu tief in den Stahl, kann die mechanische Integrität der Klinge geschädigt werden. Der geringe Chromanteil im Federstahl begünstigt die Oxidation und sorgt für die charakteristischen, hässlichen braunen Stellen an der Klingenoberfläche. Leider bildet sich Rost sehr schnell, Flugrost bisweilen bereits wenige Stunden nach dem Training.

Die Gründe dafür sind meist simpler Natur:

  • Hohe Luftfeuchte
  • Handschweiß
  • Eine Nacht im Auto (oder Zelt) bei Regen bzw. hoher Luftfeuchte
  • Schwert wurde in den (feuchten) Boden gesteckt (auch aus anderen Gründen in jedem Fall vermeiden)

 

 

Grate und Scharten

1. Grate und Scharten entfernen

Beim Fechten ist ein Klingenkontakt unvermeidlich und sogar erwünscht.
Leider hinterlässt dieser Kontakt oft leichte Grate oder sogar Scharten an der Schlagkante der eigenen Klinge und an der Klinge des Gegenübers
Diese Grate und Scharten sollten unbedingt entfernt werden, da sie sowohl  Kleidung als auch  Haut bei Schnittbewegungen sehr hässlich aufreißen können.
Wenn die Klinge dann noch schmutzig und rostig ist, steht einer Blutvergiftung nicht mehr viel im Wege.
Leider gibt es immer wieder Zeitgenossen, die mit der allseits beliebten "Säge" in den Kampf ziehen. Eine Klinge mit Graten oder Scharten hat auf dem Kampfplatz definitiv nichts zu suchen.
Es sollte für jeden Kämpfer selbstverständlich sein, dass er nach dem Kampf seine Klinge auf Grate, Scharten oder andere Beschädigungen überprüft und diese umgehend entfernt.

  • Grate können mit einer feinen Flachfeile entfernt werden.
  • Scharten sind in der Regel zu tief um sie gänzlich zu entfernen, sie können aber gehämmert werden, bis sie nicht mehr ganz so scharfkantig und tief sind .
    Wenn ein Schlag auf die Schneide/Schlagkante des Schwertes trifft (Schwerter sollten grundsätzlich nicht "Schneide auf Schneide" gegeneinander eingesetzt werden, das wäre auch nicht historisch korrekt, aber es lässt sich nicht immer vermeiden), verdichtet sich das Material wie beim Schmieden. Durch diese Kaltverfestigung wird die Klinge an diesen Stellen widerstandsfähiger gegen erneute Hiebe. Man sollte daher auf der Schlagkante an den Scharten kein Material mit einer Feile entfernen, sondern beihämmern. Lediglich die seitlichen Grate beifeilen.
  • Vorsicht bei maschinellem Schleifen! Die entstehende Hitzeeinwirkung kann die empfindliche Härte-Flexibilitäts-Balance der Klinge ruinieren.

 

2. Rost/Schmutz entfernen

Nach jedem Gebrauch sollte die Klinge auf eventuelle Verschmutzungen geprüft werden. Für die Arbeit mit Schleifmitteln gilt: Grundsätzlich nur in geraden Zügen von der Montur zur Schwertspitze und zurück, jedoch niemals in kreisenden Bewegungen arbeiten.

  • Grobe Verunreinigungen mit sauberen Tüchern abwischen. Hierzu eignen sich handelsübliche Küchenrollen, parfümfreie Taschentücher oder Mikrofasertücher.
    Für Katana-Schwerter gibt es das spezielle japanische Reinigungspapier Nuguigami. Das wird vielfach empfohlen, ist aber für Schaukampfklingen nicht zwingend notwendig.
  • Bei leichtem Flugrost ist Metallpolitur eine gute Möglichkeit dem Rost Herr zu werden. StahlFix, Cera Clen oder ähnliches sollte eigentlich in jedem Haushalt verfügbar sein.
  • Für "normale" Verschmutzungsgrade eignet sich ein Rostradierer. Das ist ein, in eine gummiartigen Masse eingebrachtes Spezialschleifpulver. Damit kann man trocken (ohne Schmiermittel) Rost, feine Kratzer oder Verschmutzungen einfach wegradieren.
  • Bei starkem Rost eignet sich ein Schleifschwamm aus dem Malerbedarf sehr gut. Damit kann man entweder trocken oder in Verbindung mit z.B. BALLISTOL den Rost abschleifen.
  • Für die Feinpolitur empfiehlt sich Nevr Dull - eine Chrompolitur für Motorräder aber hervorragend schützend.
  • Keine chemischen Rostlöser verwenden!
    Federstahl beispielsweise ist empfindlich gegen diverse Erdölraffinate. Nutzt man bei gehärteten Klingen das falsche Öl, kann das sogar zu interkristalliner Korrosion und damit im Extremfall zum Bruch führen. WD-40 besteht zum größten Teil aus Waschbenzin (Rohbenzin) und Mineralöl, wir raten daher mangels genauer Daten davon ab, auch wenn im Fall von WD-40 ein konkreter negativer Effekt bisher nicht nachweisbar ist.

 

3. Die Lederumwicklung am Griff

Die Lederumwicklung ist eher nicht dauerhaft und wird normalerweise von Zeit zu Zeit erneuert. Eine Griffbelederung kann mit Lederfett oder Lederölen geschmeidig gehalten werden.

 

3. Waffe einölen/konservieren

Nach der Reinigung der Klinge ist es wichtig, die Waffe zu konservieren. Bei richtiger Dosierung des Öls ist die Klinge durchgehend mit einem dünnen Ölfilm benetzt, ohne dass es zur Tropfenbildung kommt. Anderenfalls kann das Leder in der Scheide überschüssiges Öl aufnehmen und zur Fleckenbildung an Klinge und Scheide führen. Aus genau diesem Grund sollte ein Schwert nicht dauerhaft in einer Lederscheide aufbewahrt werden. Das Einölen sollte möglichst nach jedem Gebrauch, spätestens aber alle vier Wochen wiederholt werden. Zu beachten ist allerdings, dass Öle normalerweise emulgierbar sind und sich bei Regen abwaschen. Man sollte aber natürlich grundsätzlich die Klingen nicht im Regen liegen lassen!

Bezüglich der zu verwendenden Konservierungsmittel bzw. Öle ist es schwer eine allgeimeingültige Aussage treffen, da die verwendung Materialabhängig ist.

Das Material bei Schaukampfschwerter ist in der Regel entweder Federstahl (z.B. 55 Si 7) oder hochwertiger Kohlenstoffstahl (z.B. ck 75). Wir beschränken uns daher auf Öle, die auf jeden Fall einsetzbar bzw. nicht einsetzbar sind:

  • BALLISTOL Universalöl ist sehr gut geeignet. Ballistol enthält Weißöl, ist ungiftig, biologisch abbaubar, nicht wassergefährdend und unbedenklich im Sinne des Lebensmittelgesetzes.
  • Weißöle in medizinischer Qualität sind gut geeignet. Sie können aufgrund ihres guten Kriechverhaltens in kleinste Fehlstellen hineinwandern und sind unbedenklich im Sinne des Lebensmittelgesetzes.
  • Grundsätzlich kann man für das Einölen auf reines Kamelienöl oder Japanisches Nelkenöl zurückgreifen. Diese Öle sind das hochwertigste Mittel in diesem Bereich, aber sehr teuer.
  • Vaseline kann anstelle von Öl ebenfalls verwendet werden. Sie verhält sich chemisch neutral gegenüber allen Werkstoffen und ist unbedenklich für Mensch und Umwelt. Allerdings sind Kriecheigenschaften wie bei Ölen quasi nicht vorhanden.
  • Wird die Waffe mit dem Risiko das mann sie anfasst ausgestellt, eignet sich Bienenwachs. Dazu das Wachs auftragen, fest werden lassen und dann mit einem Lappen aufpolieren. Dies wirkt zwar ein wenig matt auf der Klinge, ist aber dafür sehr Widerstandsfähig gegen Rost und ist nicht fettig.
  • Auf keinen Fall sollten ätherische Öle, Pflanzenfette oder Maschinenöle verwendet werden, da sie unter anderem Bestandteile wie Ammoniak enthalten können, die den Stahl angreifen können.

  • WD-40 eignet sich nicht als Konservierungsmittel!
    Federstahl ist empfindlich gegen diverse Erdölraffinate. Nutzt man bei gehärteten Klingen das falsche Öl, kann das sogar zu interkristalliner Korrosion und damit im Extremfall zum Bruch führen. WD-40besteht zum größten Teil aus Waschbenzin (Rohbenzin) und Mineralöl, wir raten daher davon ab, auch wenn im Fall von WD-40 ein konkreter negativer Effekt bisher nicht nachweisbar ist. Im Falle von eventuellen Verletzungen im Kampf ist ein ungiftiges, lebensmittelunbedenkliches Öl wie z.B. Ballistol aber eindeutig die bessere Wahl.

 

4. Lagerung

  • Bei längerer Lagerung und Nichtbenutzung empfiehlt es sich die Klinge mit handelsüblicher Vaseline oder Waffenfett zu konservieren. Dazu Vaseline bzw. Waffenfett auf alle Stahlteile dünn auftragen. Anschließend die Blankwaffe mit Tüchern einwickeln oder einfach mit Plastikfolie (z.B. Frischhaltefolie) umwickeln. Die Klinge ist so dauerhaft vor Rostbildung geschützt.
  • Das Deutsche Klingenmuseum verwendet zur Konservierung von Blankwaffen Cosmoloid H 80, verdünnt in Testbenzin. Cosmoloid H 80 ist ein mikrokristallines Wachs, im weitesten Sinne eine Art Paraffin.
    Einige Museen verwenden auch das ähnliche Renaissance Wax. Sowohl Parafin, als auch Renaissance Wax sind unbedenklich für Mensch und Umwelt.
  • Ein Eine Klinge sollte nicht über größere Zeiträume (etwa zwei Wochen oder mehr) ohne regelmäßige Kontrolle und Pflege (Reinigen und Ölen) in einer Scheide gelagert werden.
  • Lagert die Klingen trocken und optimalerweise bei gleichmäßiger Temperatur. Temperaturschwankungen können den Stahl anlaufen lassen.

 

Beachte: Klingen mögen keinen Hautkontakt

Man fasst die Klinge möglichst nie mit bloßen Fingern an. Handschweiß und Körperfett sind sehr aggressiv und können das Material nachhaltig schädigen.
Wurde die Klinge doch einmal berührt sollte sie lieber früher als später mit einem sauberen, trockenem Tuch abwischen und danach einölen. Das Gleiche gilt auch für Griffteile und Parier.

 
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