Home ZDS-Wissensportal Theorie & Praxis Historisch: Frauen auf dem Schlachtfeld
Historisch: Frauen auf dem Schlachtfeld Drucken

 

Mittelalterlicher Schwertkampf ist nichts für Frauen!
Frauen haben damals nicht gekämpft...oder doch?

 

Eines der wohl bekanntesten Vorurteile findet sich leider immer noch auf vielen Mittelalter-Veranstaltungen und bei vielen Darstellern: "Mittelalterlicher Schwertkampf ist nichts für Frauen, Frauen haben damals nicht gekämpft!"

Die wohl bekanntesten Geschichten einer Frau im Mittelalter unter Waffen ist die der Jungfrau von Orléans, Jeanne d’Arc. Aber wie sah es generell aus? Gab es noch mehr Frauen mit Schwert und Schild?
Jean D‘Arc hin oder her, kämpfende Frauen waren nicht die Regel, aber es gab sie.

Zu bedenken ist zunächst, dass ein Schwertkampf (und auch jede andere zeitgenössische Kampftechnik) eine sehr anstrengende und technisch anspruchsvolle Sache ist und vom "Kriegshandwerk" nicht umsonst die Rede ist bzw. viel Können erforderlich war. Man kann davon ausgehen, dass es ohne regelmäßiges hartes körperliches und vor allem technisches Training nicht viele aktiv kämpfende Frauen gab, aber einige mehr, die sich Grundbegriffe der Verteidigung angeeignet hatten. Ferner gilt es zu bedenken, dass eine Frau, die in den Krieg zog, nicht ihren sehr wichtigen gesellschaftlichen Zweck erfüllte, sondern etwas tat, was eigentlich nicht ihre Aufgabe war. Die Aufgabenteilung war klar geregelt. Jungs übten sich schon sehr früh in den Waffen, während Mädchen den Umgang mit Spindel und Webstuhl erlernten.

 

Mythen und Götterwelt der Antike und des Mittelalters

Bereits die Götterwelt der Antike wird von Frauen bevölkert, die nicht nur mit Waffen umgingen, sondern auch die Geschicke der Welt durch Waffen bzw. im Kampf lenkten:

  • Diane, die Jagdgöttin der Römer, wird mit Pfeil und Bogen dargestellt.
  • Germania trägt eine leichte Rüstung und ist mit Schild und Schwert oder Speer bewaffnet.
  • Die Göttin Athene entspringt der Sage nach in voller Rüstung dem Mund des Zeus. Als Schutzgöttin der Stadt Athen wird sie daher auch oft in voller Kriegsrüstung dargestellt.
  • Die Siegfriedsage (und auch das Nibelungenlied) lebt durch die Wallküren sowie durch Brundhild und Krimhild.

 

Wissenschaftliche Aspekte

Jeanne d’Arc ritt 1429 zur Befreiung Orléans in voller Rüstung an der Spitze ihres Heeres vorneweg. Von einem Pfeil getroffen und vom Pferd geworfen, blieb sie dennoch auf dem Schlachtfeld. Dies ist allgemein bekannt und auch anerkannt. Es gibt aber noch weitere Fakten.

Im antiken Rom waren gemäß Überlieferungen von Martial and Cassius Dio Frauen als venatores, also Gladiatoren die mit wilden Tieren kämpften, aktiv.
In den Ruinen von Pompeii wurde eine Inschrift entdeckt, die ebenfalls auf Frauen als Gladiatrix verweist.
Kaiser Septimus Severus erließ um ca. 400 ein Edikt, das Frauen als Kombattanten in der Arena verbietet.

Eva Schumann, Professorin für Deutsche Rechtsgeschichte und Bürgerliches Recht an der Georg-August-Universität bestätigt für die frühmittelalterlicher Zeit, dass die kämpfende Frau auch jenseits der Sagenwelt keine Ausnahme war. Schumann erklärt an historischen Rechtstexten, dass insgesamt Sieben Normen im gesamten Überlieferungsbestand aus dem allemannischen und bajuwarischen Raum Frauen behandeln. Die Normen regelten das Wergeld (Althochdeutsch wer = Mann), das ein Angreifer dem im Kampf Unterlegenen oder dessen Angehörigen zu zahlen hatte. Das Bußgeld für verletzte oder getötete Frauen war demnach unterschiedlich geregelt und bewegt sich zwischen gänzlicher Absprache und der Verdoppelung des Betrags, der für einen Mann zu zahlen war. Einen archäologischen Nachweis für kämpfende Frauen führt Schumann mit dem Auffinden von weiblichen Skeletten auf dem Niederstrotzinger Gräberfeld an. In Kriegergräbern auch die Überreste von zwei Frauen gefunden. In wie weit dies ein stichhaltiger Beleg für kämpfende Frauen ist, kann diskutiert werden.

Auch im keltischen England scheinen kämpfende Frauen nicht unüblich gewesen zu sein. Es finden sich auch hier archäologische Nachweise.
Zwei Tote (datiert auf ca. 450-650), die in einem angelsächsischen Dorf nahe Heslerton in North Yorkshire mit Speer und Dolch beerdigt wurden, waren gemäß DNA-Analyse Frauen. Ein außerhalb von Lincoln ausgegrabener Leichnam (um ca. 500) wurde mit Schild und Dolch begraben und stellte sich ebenfalls als Frau heraus.

Die Historikerin Bebel Gerritsen beschreibt kämpfende Frauen im 14. und 15. Jahrhundert, die zusammen mit Musikern, reisenden Gelehrten und Geistlichen durch die Lande zogen, oder sogar in Söldnerarmeen ihre eigene Divisionen bildeten.

WalpurgisI.33 Manuskript (auch Tower Fechtbuch genannt)
Eine bekannte Darstellung in der frühen Fechtliteratur zeigt Walpurgis, die als mit Schwert und Buckler fechtende Frau im I.33 Manuskript dargestellt ist (siehe Bild). Ob die Dame wirklich als reale Person existierte und der Fechtkunst frönte, oder ob es sich um eine Metapher für einen schwächlichen Kämpfer handelt, ist Gegenstand gelehrter Debatten.
Das Manuskript wird um oder nach 1300 datiert. Die Bedeutung der in I.33 illustrierten Techniken ist umstritten. Die Tatsache, dass ein Mönch mit einem Schüler (auf den letzten zwei Seiten der Mönch und Walpurgis) dargestellt ist lässt vermuten, dass es hier nicht um ritterliche Kampftechniken geht, sondern eher um Selbstverteidigungskunst niederer Schichten.
Einige Fachleute verweisen jedoch darauf, dass viele Techniken, wie etwa im 13. Jahrhundert bereits im Ritterturnierkampf verbotene Stiche, eher für den Kampf auf Leben und Tod sprechen, z.B. für einen Gerichtskampf.

Der Gerichtskampf
Im 13. Jahrhundert war es Krüppeln, Geistlichen und Frauen gestattet, sich bei Duellen für Recht oder Reputation vertreten zu lassen. Dennoch traten viele Frauen selbst an. Dafür spräche auch, dass sich Walpurgis im I.33 Manuskript in tödlichen Techniken übt. In einem dokumentierten Fall aus Deutschland 1228 gewann die Frau einen solchen Kampf.
In der spätmittelalterlichen Fechtliteratur bei Hans Talhoffer und im Solothurner Fechtbuch sind im gerichtlichen Zweikampf Frauen abgebildet. Zu Beachten ist allerdings, dass gerichtliche Zweikämpfe Sonderregeln unterlagen und keine alltägliche Erscheinung waren. Hier wird aber kein gleichberechtigter Zweikampf gezeigt: Die Frau kämpft mit einem in einen Schleier eingewickelten Stein, der Mann steht bis zur Brust in einer Grube und setzt sich darin mit einer Keule zur Wehr; wohl um seinen körperlichen Vorteil auszugleichen.

Frauen auf Kreuzzügen
1146 meldete sich Eleanor von Aquitanien (erst Königin von Frankreich, danach Königin von England), sowie eine Gruppe weiterer adliger Damen voll gerüstet öffentlich zur Teilnahme am zweiten Kreuzzug. Sie führte 1000 Ritter/Soldaten (300 davon weiblich) Richtung Jerusalem. Der Historiker Nicetas beschreibt die gerüsteten Frauen mit Schwert und Kriegsaxt bei ihrer Durchreise durch Griechenland. In zeitgenössischen Quellen gibt es keine Hinweise, dass Eleonore für ihre Entscheidung, sich dem Kreuzzug anzuschließen, kritisiert wurde. Erst etwa fünfzig Jahre später unterstellten Chronisten wie William of Newburgh, dass Frauen, die einem Kreuzzug folgten, dies aus anderen als aus spirituellen Gründen taten.
Einigen Schätzungen zufolge lag der Frauenanteil kämpfender Frauen auf Kreuzzügen durchschnittlich bei 10%.
Papst Clemens III verbietet in seiner Bulle von 1189 explizit die Teilnahme von Frauen am 3. Kreuzzug.

Der Arabische Chronist Muhammad ibn Hamed Isfahani schreibt: "Die Franken mochten nicht fechten, wenn sie keine Weiber hatten." Diese seien "fest im Fleisch, mit vollen und schlanken Körpern und blauen und grauen Augen, gefärbt und bemalt." (...) "Von einem einzigen Schiff gingen dreihundert schöne fränkische Frauen, die sich jenseits der Meere gesammelt und ihr Vaterland verlassen hatten, um die in der Fremde weilenden Unglücklichen glücklich zu machen." Und er berichtet weiter "Sie gingen mit Pfeil und Bogen um und bedienten Geschütze." (...) "Ein arabischer Berichterstatter beobachtete drei fränkische Frauen, die "zu Pferd gekämpft hatten". Erst als man den Gefangenen das Kettenhemd auszog, kamen Rundungen zum Vorschein, die "ihr wahres Geschlecht verrieten." Ein anderer erzählte von einer "Frau mit grünem Umhang", die bei der Belagerung der Stadt Akkon am 3. Juli 1191 unentwegt Pfeile schoss und mehrere Feinde traf, bis sie schließlich überwältigt und getötet wurde." Auch bei der Belagerung der Burg Burzey durch die Truppen Saladins erwähnt ibn Hamed Isfahani eine Frau, die mit ihrem Geschütz sehr "geschickt" umging und so diverse Steinschleudern außer Gefecht setzte.
Baha’ ad-Din ein weiterer Chronist zum letzten Angriff auf die Stadt Akkon: "Ein anderer altbewährter, kluger Soldat (...) erzählte mir, hinter der Brustwehr habe eine Frau in einem grünen Mantel gestanden, ständig mit einem hölzernen Bogen auf unsere Kämpfer geschossen und viele verwundet, bis sie schließlich überwältigt und getötet wurde.
Den Bogen nahm man ihr ab und brachte ihn Saladin, der sich tief erstaunt darüber zeigte."

Kontrovers dazu liest sich der Bericht christlicher Chronisten:
Zum ersten Kreuzzug schreibt der Autor der Gesta Francorum, als die Kreuzfahrer in einen Hinterhalt gerieten: "Die Frauen im Lager waren an diesem Tag eine große Hilfe für uns, denn sie brachten unseren Kämpfern Wasser zum Trinken und ermunterten die Streiter und Verteidiger." Hier ist zwar nicht die Rede vom Kämpf, aber zumindest leisten Frauen hier einen nicht ungefährlichen, aktiven Beitrag zum Kampf.
Dagegen schreibt der Chronist Albert von Aachen zum gleichen Vorfall: "Durch dieses grausame Morden geraten die zarten und vornehmen Frauen in Angst und Entsetzen, sie eilen, um sich festlich zu schmücken und bieten sich den Türken an, ob diese, vielleicht in Liebe zu den edlen Frauen entflammt, sich gnädig stimmen lassen"...
Dazu ist zu berichten, dass die Türken bereits im Lager marodierten und alles hinschlachteten, was ihnen vor die Füße lief. In dieser Situation ging es um das nackte Überleben von allen Angehörigen des Trosses, nicht ausschließlich von sich "typisch" verhaltenden Frauen.

Jean D‘ArcFrauen in Rüstung
Im 12. Jahrhundert berichtet Saxo Grammaticus in seinem Buch "Über die Dänen" von dänischen Frauen, die sich wie Männer anzogen und wie Männer kämpften.
Die Tatsache, dass nur wenige bildliche historische Quellen explizit kämpfende Frauen zeigen, ist zum Teil eine Frage der angelegten Kleidung bzw. Rüstung.
Kleidung war zeitweise per kirchlichem Diskret vorgeschrieben: Kein Mann durfte Frauenkleider tragen und Frauen keine Männerkleidung. Man kann aber davon ausgehen, dass es in Zeiten von Not und Gefahr anders gehandhabt wurde.
Häufig wird bei kämpfenden Frauen eine Rüstung (wie bei Jean D‘Arc die Plattenrüstung) erwähnt. Es ist nur logisch, dass sich kämpfende Frauen in Schlachten eher an männlicher Rüstung orientierten. Eine Frau in Männerkleidern unter Männern fällt nicht weiter auf. Umgekehrt bedeutet es aber nicht zwangsläufig, dass jede Frau in Männerkleidung auch kämpfte. Viele als Männer gekleidete Frauen taten dies zum Schutz vor Übergriffen (durch Männer), beispielsweise wenn Dörfer überfallen wurden, oder wenn sie tatsächlich an Kreuzzügen teilnahmen. Die Teilnahme von Frauen an Kreuzzügen ist durch verschiedene Historische Quellen belegt.

Der Berühmte Historiker Ibn al-Athīr schreibt zur Belagerung Akkons: "Unter den Gefangenen waren auch drei fränkische Frauen, die zu Pferde gekämpft hatten; erst als sie gefangen und entwaffnet waren, erkannte man sie als Frauen." Weiter schreibt er "am Tag der Schlacht rückte mehr als eine Frau mit ihnen aus, die sich wie die Ritter benahm, und Härte zeigte trotz der Schwäche." (...) "Sie trugen Panzerhemden und wurden erst erkannt, als sie der Waffen entkleidet und entblößt wurden."
Es gibt aber laut Saxo Gramaticus auch Ausnahmen, nämlich die Schlacht von Bravalla im 10. Jahrhundert in der einige Hundert barbusige Däninnen ihren Schwedischen Feinden entgegen gestürmt sein sollen (damit diese auch sehen wer sie tötet).


Logische Gründe für kämpfende Frauen

Gerade in unsicheren Zeiten ist es zu vermuten, dass sich einige Frauen zumindest Grundbegriffe der Verteidigung angeeignet hatten. Wer sollte beispielsweise Burgen im Verteidigungsfall verteidigen, wenn der Hausherr nicht zugegen war?
Es ist eher wahrscheinlich, dass die Herrin selbst eine Waffe in die Hand nahm, sogar die Haustruppen bei der Verteidigung der Burg geführt hat, denn im Verteidigungsfall wurde wirklich jede Hand (jedes Schwert) benötigt. Das haben sie mit Sicherheit nicht vom Spinnrad aus getan.

 

Mächtige Frauen in Kriegssituationen

Ob die Damen in entsprechenden Situationen selbst zum Schwert griffen ist nicht weiter überliefert:

Gräfin Emma de Guader von Norfolk verteidigte im Jahr 1075 Norwich Castle gegen Belagerer und handelte für sich und ihre Armee freien Abzug im Austausch gegen die Burg aus.

Johanna I. von Navarra war aus eigenem Recht von 1274 bis 1305 Gräfin der Champagne und Königin von Navarra, sowie durch ihre Ehe mit Philipp IV. dem Schönen auch Königin von Frankreich. Als Graf von Bar in die Champagne einfiel zog ihm Johanna entgegen, schlug ihn 1297 in einer Schlacht bei Commines und nahm ihn gefangen. Sie eroberte Navarra von den spanischen Nachbarn zurück und gewährleistete dort einen dauerhaften Frieden.


Quellen für weitere Recherche

Geldsetzer, Sabine "Frauen auf Kreuzzügen"; Darmstadt 2003
Frohnhaus, Gabriele (u.a.) "Schwert in Frauenhand - weibliche Bewaffnung"; Essen; 1998
Pernoud, Régine "Frauen zur Zeit der Kreuzzüge", Pfaffenweiler; 1993
Jones, David E. "Women warriors: a history"; Washington; 1997
Elshtain, Jean Bethke "Women and war", New York; 1995
León, Vicki "Elisabeth & Co. - Aufmüpfige Frauen des Mittelalters"; Berlin; 1998
Fraser, Antonia "The Warrior Queens"; New York; 1990

Weblink: Women Warriors from 3500BC to the 20th Century
Weblink: http://www.heraldica.org/topics/orders/wom-kn.htm

 

 
Copyright © 2018 . Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.
Joomla templates free